|
|
In der Zeitung wurde neulich berichtet, dass Vögel in Großstädten mit deren Hektik und Lautstärke
konkurrieren. Die gefiederten FreundInnen singen, zwitschen und tschiepen, um ihr Revier zu verteidigen,
Brutpartner anzulocken und andere zu warnen. Um gegen die Automassen und den Industriekrach bestehen zu
können, müssen sie sich mit großen Anstrengungen für die Stimmbänder in ihrer Umwelt Gehör verschaffen.
In den Städten singen sie deshalb lauter als ihre ländlichen Artgenossen oder verlagern ihr Krakeelen vom
Tag weg, weit in die Nacht hinein.
Diese Nachricht hat etwas mit der Band Tschilp und ihrer ersten Langspielplatte zu tun.
Hinter Tschilp verbergen sich drei Musikerinnen, die seit nunmehr sieben Jahren zusammen im Proberaum und
auf der Bühne stehen und die Anfang 2007 auf Fidel Bastro ihre Debüt-7'' veröffentlicht haben. Auch auf
dem aktuellen Album »Whole Days In The Trees« zeigt das Hamburger Trio sowohl einen gewissen Faible für
molllastigen Gitarrenpop, Postrock und Noise, als auch eine ausgeprägte Affinität zum lieben Federvieh,
wie allein der Bandname, der Album- und die wunderlich, lautmalerischen Songtitel verraten.
Mit Naturromantik – der angeblichen Ursprünglichkeit und Ausgeglichenheit des Waldlebens – haben Tschilp
deshalb aber noch lange nichts zu tun. Schon viel eher mit den urbanen BaumbewohnerInnen, die sich an
Umgehungsstraßen oder Milchkaffee-Boulevards, über Ausgehclubs und Werkstätten ihr fragiles Nest bauen.
Die acht Songs auf »Whole Days In The Trees« klingen nach traurigen, aber schönen Vögeln, die sich hier
ihren Platz nehmen und die eben so laut »kärr-arr« oder »dwi-dwi-dwi-dwui« machen, wie es nötig ist.
Reduziert, minimalistisch und auch mal krachig.
Während der ganzen Tage in den Bäumen kommen neben
Bass, Gitarre, Gesang und Schlagzeug auch eine Loop-Station und ein Xylophon zum Einsatz. Unterstützt werden
Tschilp bei den Aufnahmen zusätzlich mit Lapsteel Guitar, Synthesizer, Bass und Gesang durch befreundete
MusikerInnen.
Die Platte handelt aber trotz der ornithologischen Motive und Anspielungen von Menschen und nicht von
Vögeln. Sie treffen in einer feindseligen Großstadt-Umgebung aufeinander, singen und krakeelen mitten in
der Nacht. »Wenn man auf dem Heimweg von der Kneipe einen Vogel hört, ist es wahrscheinlich ein Rotkehlchen.«,
lässt die Zeitung einen britischen Ökologen behaupten. Wenn im MP3-Player Tschilp läuft, könnte das stimmen.
|
|
|






|